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Tanz Signale

Eduard Strauss I.

Eduard Strauss (I.), *15. März 1835 Leopoldstadt, "Zum goldenen Hirschen" (2, Taborstraße 17), † 28. Dezember 1916 Wien 1, Reichsratsstraße 9 (Gedenktafel, enthüllt 26. September 1991; Zentralfriedhof, Ehrengrab, Grab 32A, Nummer 42 [Stadtrats-Beschluss vom 4. Jänner 1917]), Komponist, Kapellmeister, Gattin (8. Jänner 1863) Marie Magdalena Klenkhart (* 13. Juli 1840 Leopoldstadt, † 16. April 1921 Wien 4, Waaggasse 1), Sohn von Johann Strauss (Vater).

Nach Absolvierung des Akademischen Gymnasiums in Wien strebte er eine diplomatische Laufbahn an, ließ sich aber letztlich von seinem Bruder Johann Strauss (Sohn), ähnlich wie zuvor schon sein anderer Bruder Josef Strauss, zum Musikerberuf bestimmen. Beim Wiener Domkapellmeister Gottfried Preyer bildete er sich in Musiktheorie aus, bei Franz Amon, dem Konzertmeister der Strauss-Kapelle, nahm er Unterricht in Violine, beim Harfenvirtuosen Anton Zamara studierte er dieses Instrument, daneben pflegte er auch noch das Klavierspiel.
Beim Benefizball für Johann am 11. Februar 1855 im Sophiensaal in Wien debütierte Eduard als Harfenist in Johanns Walzer „Glossen“ op. 163. Sein Debüt als Dirigent der Strauss-Kapelle gab Eduard beim Benefizball unter dem Motto „Carnevals Perpetuum mobile oder: Der Tanz ohne Ende“ am 5. Februar 1861 – wieder – im Sophiensaal. Dabei spielten drei Orchester, jedes von einem der drei Brüder Strauss geleitet.
Von Beginn seiner Karriere an wurde Eduard Strauss von Publikum und Presse an den Erfolgen seiner Brüder, insbesondere Johanns, gemessen, und vor allem in Wien und in Pawlowsk (1865) für nicht ebenbürtig befunden. Doch stellte er sich konsequent in den Dienst des Familienunternehmens. Bereits als Johann überraschend im Sommer 1862 heiratete und Josef ihn in Pawlowsk vertreten musste, hielt Eduard in Wien die Stellung.

Nach dem Tod Josefs (1870) und Johanns Hinwendung zur Operettenkomposition übernahm Eduard für über 30 Jahre die alleinige Leitung des Orchesters, das unter seiner Führung und straffen Organisation in Wien und international zu einem der hervorragendsten Klangkörper avancierte. Die Strauss-Kapelle war mit ihm ein erstrangiger Kulturträger für Wien und Österreich. 1872 wurde Eduard zufolge seiner Verdienste um die Ausführung der unterhaltenden Musik bei Veranstaltungen des österreichischen Kaiserhauses der Titel „k. k. Hofballmusik-Director“ verliehen.

Mit seinen neu eingeführten Sonntag-Nachmittagskonzerten jeweils in der Wintersaison im Großen Saal des neu errichteten Gebäudes der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien leistete er seit März 1870 über 30 Jahre hindurch den zahlreichen Abonnenten zufolge einen unverzichtbaren Beitrag zum Musikleben dieser Stadt. Nicht nur Werke der Familie Strauss führte er hier auf, sondern auch sehr viele Kompositionen des klassischen und romantischen Repertoires des 18. und 19. Jahrhunderts von Mozart bis Wagner. Viele Kompositionen seines Bruders Johann erklangen hier unter seiner Leitung zum ersten Mal.

Neben den zahlreichen Wiener Verpflichtungen, wie den regelmäßigen Konzerten im Volksgarten, in der „Neuen Welt“ oder im Garten der Blumensäle, unternahm er ab 1878 mit der Strauss-Kapelle regelmäßig ausgedehnte Sommertourneen durch Deutschland, 1885 und 1890 Gastspiele in London, 1890 und im Winter 1900/1901 solche in den Vereinigten Staaten. „Ich habe mit meiner Capelle in 840 Städten zweier Weltteile concertirt“, resümierte er in seinen 1906 veröffentlichten „Erinnerungen“. Dirigent und Orchester ernteten bei diesen Konzertreisen größten Erfolg. Weltweit verbreitete er die Musik seiner Familie. 1901 löste er sein Orchester auf und zog sich ins Privatleben zurück. 1907 veranlasste und beaufsichtigte er die Verbrennung des riesigen Notenarchivs der Strauss-Kapelle.

Über 300 Tänze und Märsche komponierte Eduard Strauss, die alle im Druck erschienen sind. Davon finden sich im heutigen Repertoire kaum zehn Prozent. Zur Wiederentdeckung harren gut dreimal so viele. Daneben arrangierte er für die Strauss-Kapelle circa 200 Werke anderer Komponisten.

Eduard Strauss – verheiratet mit Maria Klenkhart – hatte mit seiner Gattin zwei Söhne, Johann Strauss (Enkel) und Josef Strauss, die ihn ab 1897 – als er bereits an seinen Ruhestand dachte – vorübergehend in schwere finanzielle Bedrängnis brachten, und um sich zu sanieren die zweite Amerika-Tournee zur Jahrhundertwende unternehmen ließ.

Norbert Rubey

Literatur
• Eduard Strauss: „Erinnerungen“. Leipzig / Wien: Franz Deuticke 1906.
• Eduard Strauss: Concert-Repertoire der bestandenen Kapelle des Eduard Strauss, kaiserl. und königl. Hofballmusik-Director a. D. (in das Privatleben zurückgetreten im März 1901): Wien: Eigenverlag o. J.
• Eduard Strauss (Hg.): Eduard Strauss (1835 – 1916). Testament vom 3. Februar 1914 samt Nachtrag vom 27. April 1916. Tutzing: Hans Schneider 2000.
• Hanns Jäger-Sunstnau: Johann Strauss. Der Walzerkönig und seine Dynastie. Wiener Schriften 22, Wien: Jugend und Volk 1965.
• Alexander Weinmann: Verzeichnis sämtlicher Werke von Josef und Eduard Strauss. Wien: Ludwig Krenn 1967.
• Max Schönherr: Lanner – Strauss – Ziehrer.Synoptisches Handbuch der Tänze und Märsche. Wien / München: Doblinger 1982.
• Peter Kemp: The Strauss Family. Portrait of a Musical Dynasty. Tunbridge Wells: The Baton Press 1985.
• Peter Kemp: Eduard Strauss. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians (edited by Stanley Sadie). Second Edition, Volume 24. London / New York: Macmillan Publishers Limited / Grove's Dictionaries Inc. 2002.
• Ludwig Eisenberg: Das geistige Wien. Künstler- und Schriftsteller-Lexikon, Mittheilungen über Wiener Architekten, Bildhauer, Bühnenkünstler, Graphiker, Journalisten, Maler, Musiker und Schriftsteller. Wien: Daberkow 1889-1892
• Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich. Enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche 1750 bis 1850 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben. 60 Bände. Wien: Verlag der typografisch-literarisch-artistischen Anstalt 1856-1891. Register 1923
• Gerhard Renner: Die Nachlässe in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Ein Verzeichnis. Wien: Wiener Stadt- und Landesbibliothek 1993 (Publikationen aus der Wiener Stadt- und Landesbibliothek, 1)
• Robert S. Budig / Gertrude Enderle-Burcel / Peter Enderle: Ehrengräber am Wiener Zentralfriedhof. Wien: Compress Verlag 1995
• Hans Markl: Kennst du die berühmten letzten Ruhestätten auf den Wiener Friedhöfen? Band 1: Zentralfriedhof und Krematorium (Urnenhain). Wien: Pechan 1961, S. 97