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Tanz Signale

Geburtshaus von Josef Strauss (1827-1870)

Felix Czeike gibt in seinem 1997 erschienenen „Historischen Lexikon Wien“ Band 5 auf S. 373 zum Geburtsort von Josef Strauss Folgendes an:

20. 8. 1827 Mariahilf 39 („Zum gold. Kreuz“; 6, Mariahilfer Str. 65, Nelkeng. 8; GT)

Dazu gibt er als Literaturangabe unter anderem: Mariahilf 217 (lt. Abkürzungsverzeichnis: Das Wiener Heimatbuch. Mariahilf [Hg. Arbeitsgemeinschaft des Mariahilfer Heimatmuseums), Wien 1963]

Dort findet man jedoch folgende Angabe:

Die erste Diskrepanz: Mariahilfer Straße 65 oder 71?


Im Bezirksmuseum Mariahilf fanden wir noch folgendes interessante Bild:

Auf der Rückseite dieses Fotos fanden wir folgenden Text:
Wien VI. Mariahilferstr. 71a Hotel Krenn (jetzt Kummer) Aufn. mit Front (Windmühlg. 40) Lith. 2. H. 19. Jhdt. Inv. Nr. 41.237 aus dem Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Eine Farbkopie der Lithographie fanden wir später im Hotel Kummer (www.hotelkummer.at)!

Die zweite Diskrepanz: Welche Hausnummer erhielt nun das Haus „Zum goldenen Kreuz“?


Also gingen wir zunächst zurück zu älterer, als verlässlich bekannter Literatur:

Hanns Jäger-Sunstenau gibt in seinem 1965 erschienen Buch Johann Strauss, der Walzerkönig und seine Dynastie; Familiengeschichte, Urkunden folgende Urkunde wieder:

Verunsichert haben wir das überprüft:

Datum und Wohnung: Mariahilf Nr. 39 stimmen, allerdings ist es das Taufbuch 1827 -1832, Tom VIII und die Eintragung steht auf fol. 50 (nicht 40).

Auf Seite 82 führt Jäger-Sunstenau im Kapitel Wiener Strauss-Häuser unter anderem Folgendes an:

Eine Gedenktafel (GT) haben wir nicht gefunden, weder am Haus Nr. 65 noch am Haus Nr. 71!

Deshalb haben wir uns ja auch um die Enthüllung einer Gedenktafel für Josef Strauss im Jahr der 180. Wiederkehr seiner Geburt bemüht! Wesentlich ist aber die Anbringung am „richtigen“ Haus (am richtigen Platz)!

Die obige Angabe haben offenbar auch ältere wie jüngere (Josef) Strauss-Biographen für wahr gehalten und abgeschrieben (vgl. etwa Franz Mailer Joseph Strauß– Genie wider Willen [1977]; S. 7, oder Otto Brusatti/Isabella Sommer: Josef Strauss – Delirien und Sphärenklänge [2003]; S. 11 oder auch Frank Miller Johann Strauss Vater – Der musikalische Magier des Wiener Biedermeier [1999]; S. 77 – sogar mit Hinweis auf eine Gedenktafel!).

Ausgehend von dem Haus Mariahilf Nr. 39 forschten wir im Wienarchiv (Wiener Stadt- und Landesarchiv, MA 8) weiter.
Dort fanden wir das Verzeichnis aller in der kaiserl. köngl. Haupt- und Residenzstadt Wien mit ihren Vorstädten befindlichen Häuser mit genauer Angabe der älteren mittleren und neuesten Nummerirungen, der dermahligen Eigenthümer und Schilder, der Straßen und Plätze, der Grund= Obrigkeiten, dann der Polizey= und Pfarr= Bezirke. Verfasst und herausgegeben von Anton Behsel Stadt Wiener Bauinspektor; Wien 1829

Darin fanden wir zunächst folgende Eintragung:

Es handelt sich beim Haus Nr. 39 also um das „Goldene Kreuz“.

Nach Felix Czeike „Historisches Lexikon Wien“ Band 3 S. 90 gab es in Mariahilf nach Einführung im Jahr 1770 weitere zwei Änderungen der Konskriptonsnummern der Häuser und zwar im Jahr 1795 und 1830.

Dem Manuskript eines Vortrags von Dr. Karl Fischer vom 4. 6. 2003 über die Umrechnung der Konskriptionsnummern entnahmen wir, dass Behsel die letzten Veränderungen 1829 und 1830 nicht übernommen hatte, denn für die letzten Veränderungen zwischen 1829 und 1830 wurde teilweise in das Buch nachträglich eine Zahlenkonkordanz eingebunden….

Tatsächlich findet sich in Behsels Buch für Mariahilf eine solche Konkordanzliste

Dieser kann man entnehmen, dass die noch im Geburtsjahr von Josef Strauss 1827 geltende Konskriptionsnummer 39 im Jahr 1830 auf Nr. 41 geändert wurde! Das bestätigt etwa auch ein Häuserschema aus dem Jahr 1847.

Man muss also nach 1830 schauen, welche Orientierungsnummer der Konskriptonsnummer 41 entspricht!

Eine Vergleichungs-Tabelle der alten und neuen Hausnummern der Stadt Wien und deren Vorstädte aus dem Jahr 1863 belehrt uns, dass die alte Nr. 41 das Haus Windmühlgasse 40/Mariahilferstraße 71 wird.
Das beweist auch ein Nachweis der alten Grundbuchs-…und neuen Orientierungsnummern aus dem selben Jahr:

Hier scheint auch ein Josef Krenn (neben Johann Kugel’s Erben) als Eigentümer auf!
Damit schließt sich der Kreis zur Lithographie, zum „Goldenen Kreuz“ und zum Hotel Krenn, später Kummer an der heutigen Adresse Mariahilferstraße 71a. Die Nr. 71a entstand offenbar infolge späterer Parzellierungen.

Der Häuser-Kataster der Bundeshauptstadt Wien von J. Wolfgang Salzberg aus dem Jahr 1929 zeigt uns schon die aktuelle Nummerierung

und als Eigentümerin Hermine Kummer. Er belehrt uns aber auch darüber dass das Haus „1870 erbaut“ und „1927 erworben“ wurde (vorletzte und letzte Zahlenspalte).

Das heißt, dass das Geburtshaus von Josef Strauss heute nicht mehr existiert!


Kurios und für den „Wissensstand“ bezeichnend ist, dass selbst Robert Messner in seinem Buch Mariahilf im Vormärz – Historisch–topographische Darstellung der westlichen Vorstädte Wiens (südliche Hälfte) aufgrund der Katastralvermessung auch 1982 (!) auf ein und derselben Seite 179 angibt:

Danach wäre Josef Strauss im Haus „Zum goldenen Schiff“ geboren worden, wofür es keine Quelle gibt!

Letztlich ist auch die „Familienüberlieferung“ wenig verlässlich, schreibt doch Eduard Strauss (1835-1916) über seine Eltern in seinem Buch Erinnerungen [1906] auf Seite 10: Das erste Heim der jungen Eheleute befand sich in der Vorstadt St. Ulrich, Lerchenfelderstraße Nr. 115. In diesem Hause wurde das Ehepaar durch die Geburt dreier Kindleins erfreut, und zwar zweier Knaben, Johann und Josef (1825 und 1827) und eines Mädchens Anna (1829).
Das ist jedenfalls so nicht richtig!

Das Haus Mariahilf Nr. 39 – „Zum goldenen Kreuz“ –, in dem Josef Strauss am 20. August 1827 geboren wurde, stand also in Wahrheit dort, wo heute das Haus Mariahilfer Straße 71a (Hotel Kummer) steht!

Susanne und Eduard Strauss


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